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Meine Meinung zu · Künstliche Intelligenz

KI in der Ausbildung: Was Betriebe tun sollten, wenn Azubis lieber ChatGPT fragen

85 % der Azubis nutzen KI in der Ausbildung, 62 % der Ausbilder merken, dass Azubis lieber die KI fragen. Was Betriebe jetzt tun sollten.

Portrait von Frederik Döppeler

Frederik Döppeler

5. September 2026

Auszubildende und Ausbilder nutzen gemeinsam einen KI-Assistenten
Illustration: KI-generiert

KI ist in der Ausbildung längst angekommen, nur in vielen Betrieben noch nicht offiziell. Die Azubis nutzen sie trotzdem, auf dem Handy, in der Mittagspause, beim Berichtsheft. Die Frage ist nicht mehr, ob KI in der Ausbildung eine Rolle spielt. Die Frage ist, ob der Betrieb mitgestaltet oder zuschaut.

Bei jobfari setzen wir selbst KI ein, um Eltern bei der Berufsorientierung zu unterstützen. Unsere Haltung dabei ist klar: KI ist ein Werkzeug, kein Ersatz für das Gespräch. Genau diese Haltung empfehle ich auch Ausbildungsbetrieben.

Die Zahlen: Azubis sind längst weiter als ihre Betriebe

Die Studie Azubi-Recruiting Trends 2026 hat über 9.500 Bewerber und Azubis sowie über 2.000 Ausbildungsverantwortliche befragt. Die Ergebnisse zu KI sind deutlich:

  • 85 % der Azubis haben KI-Tools im Rahmen ihrer Ausbildung genutzt.
  • 53 % finden, dass KI ihnen Inhalte manchmal oder oft besser erklärt als ihre Ausbilder.
  • 74 % sagen das Gleiche über ihre Berufsschullehrer.
  • 62 % der Ausbilder beobachten, dass Azubis lieber die KI fragen als sie.

Schon bei der Suche spielt KI eine Rolle: 37 % der Befragten haben ChatGPT, Gemini und Co. genutzt, um einen Ausbildungsplatz zu finden.

Warum Verbieten der falsche Reflex ist

Der erste Impuls vieler Betriebe ist ein Verbot. Das ist verständlich, aber es funktioniert nicht. Azubis nutzen KI dann heimlich, ohne Regeln und ohne jemanden, der ihnen sagt, wann die Antwort falsch ist.

Denn genau das ist das Risiko: KI erklärt flüssig und überzeugend, auch wenn sie danebenliegt. Ein Azubi im ersten Lehrjahr kann das oft nicht erkennen. Ein erfahrener Ausbilder schon.

Die neue Rolle des Ausbilders

Wenn die KI das Erklären von Standardwissen übernimmt, wird der Ausbilder nicht überflüssig. Seine Rolle verschiebt sich:

  • Vom Erklärer zum Einordner: Er prüft, ob die KI-Antwort für diesen Betrieb, diese Maschine, diesen Kunden stimmt.
  • Vom Wissensgeber zum Erfahrungsgeber: Was die KI nicht weiß, sind die ungeschriebenen Regeln, die Kundenbeziehungen, das Bauchgefühl nach 20 Jahren im Beruf.
  • Vom Kontrolleur zum Coach: Er hilft dem Azubi, bessere Fragen zu stellen und Antworten kritisch zu prüfen.

Was KI für den Bewerbungsprozess bedeutet

Wenn ein Jugendlicher in 30 Sekunden ein fehlerfreies Anschreiben generieren kann, sagt dieses Anschreiben nichts mehr über ihn aus. Betriebe, die weiterhin nach Anschreiben auswählen, wählen am Ende nach dem besten Prompt aus.

Bessere Alternativen sind aus meiner Sicht:

  1. Kurzbewerbung ohne Anschreiben: Lebenslauf und drei kurze Fragen, mobil ausfüllbar.
  2. Probetag oder Schnuppertag früh im Prozess: Wie jemand arbeitet, zeigt sich im Betrieb, nicht auf Papier.
  3. Kurzes Kennenlerngespräch per Video oder Telefon statt tagelanger Prüfung von Unterlagen.

Was Betriebe jetzt konkret tun sollten

  1. Klare Regeln statt Verbot: Wofür KI genutzt werden darf, wofür nicht. Keine Kunden- oder Betriebsdaten in öffentliche Tools.
  2. KI-Kompetenz als Ausbildungsinhalt: Prompts formulieren, Antworten prüfen, Quellen hinterfragen. Das brauchen Azubis in jedem Beruf.
  3. Ausbilder schulen: Wer selbst nie mit KI gearbeitet hat, kann Azubis nicht begleiten.
  4. KI für die Ausbildung selbst nutzen: Lernkarten zur Prüfungsvorbereitung, Zusammenfassungen von Unterweisungen, Übungsaufgaben.
  5. Auswahlverfahren anpassen: Weniger Papier, mehr Praxis.

Wie KI-Suchmaschinen zusätzlich darüber entscheiden, welche Ausbildungsbetriebe Jugendliche überhaupt finden, beschreibt Leonard in seinem Beitrag zur KI-Sichtbarkeit von Ausbildungsbetrieben.

Häufige Fragen

Wie viele Azubis nutzen KI in der Ausbildung?
Laut den Azubi-Recruiting Trends 2026 haben 85 % der Azubis KI-Tools im Rahmen ihrer Ausbildung genutzt.
Sollten Betriebe KI in der Ausbildung verbieten?
Nein. Sinnvoller sind klare Regeln, zum Beispiel keine Betriebs- und Kundendaten in öffentliche Tools, und die gezielte Vermittlung von KI-Kompetenz.
Brauchen Ausbildungsbetriebe noch ein Anschreiben?
Da Anschreiben heute oft mit KI erstellt werden, sagen sie wenig über Bewerber aus. Kurzbewerbungen, Probetage und kurze Kennenlerngespräche sind aussagekräftiger.