Meine Meinung zu · Generation Z
Was Gen Z von Ausbildungsbetrieben wirklich erwartet
91 % der Jugendlichen ist ein sicherer Arbeitsplatz wichtig, 88 % eine überdurchschnittliche Vergütung. Warum Gen Z konservativer ist als ihr Ruf.

Frederik Döppeler
9. September 2026

Über Gen Z wird viel geredet: faul, anspruchsvoll, will nur Homeoffice und Work-Life-Balance. Wenn ich mit Ausbildungsleitern spreche, höre ich diese Klischees oft. Wenn ich mir die Daten anschaue, sehe ich eine andere Generation. Eine, die erstaunlich klassische Dinge will.
Sicherheit schlägt Selbstverwirklichung
Die Shell Jugendstudie 2024 hat 2.509 junge Menschen zwischen 12 und 25 Jahren befragt. 91 % ist ein sicherer Arbeitsplatz wichtig oder sehr wichtig. Ein hohes Einkommen ist für 83 % wichtig, 2019 waren es noch 76 %. Gute Aufstiegsmöglichkeiten wollen 80 %, gegenüber 74 % im Jahr 2019.
Das passt zu einer Generation, die mit Pandemie, Krieg in Europa und Inflation aufgewachsen ist. Wer das erlebt hat, sucht keinen Abenteuerspielplatz. Er sucht einen Arbeitgeber, auf den er sich verlassen kann.
Was Azubis wollen und was Betriebe bieten
Die Studie Azubi-Recruiting Trends 2026 zeigt die Lücke zwischen Wunsch und Angebot sehr konkret:
| Was Azubis wollen | Anteil, dem es wichtig ist | Betriebe, die es bieten und kommunizieren |
|---|---|---|
| Überdurchschnittliche Vergütung | 88 % | 35 % |
| Prämie für den Abschluss | 80 % | 15 % |
| Zusatzqualifikationen | 78 % | – |
| Übernahmegarantie nach der Prüfung | 77 % | – |
Der spannendste Wert steht nicht in der Tabelle: Weitere 23 % der Betriebe zahlen überdurchschnittlich, sagen es aber nicht. Sie haben das stärkste Argument im Wettbewerb um Azubis und verstecken es.
Gen Z bewirbt sich vorsichtiger, als viele denken
Noch ein Befund, der dem Klischee widerspricht: 37 % der Bewerber bewerben sich nur, wenn sie vier oder fünf von fünf genannten Anforderungen erfüllen. Nur 30 % bekommen zwei oder mehr Angebote, der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung 2014.
Ich bin selbst in der 9. Klasse sitzengeblieben, weil mich Naturwissenschaften nie gepackt haben. Hätte ich mich damals nur beworben, wo ich jede Anforderung erfüllte, hätte ich es bei vielen Betrieben gar nicht erst versucht. Heute führe ich mit meinem Bruder ein Unternehmen. Meine Physiknote hat dabei nie eine Rolle gespielt.
Für Betriebe heißt das: Jede überzogene Anforderung in einer Anzeige kostet Bewerbungen. „Sehr gute Noten in Mathe und Physik“ für eine kaufmännische Ausbildung schreckt genau die Bewerber ab, die sich vorsichtig einschätzen.
Die Belastung ist real
Zur Wahrheit gehört auch: 25 % der befragten Azubis waren schon wegen psychischer Belastung krankgeschrieben. 85 % der Ausbilder erleben Azubis als belasteter als vor der Pandemie. Das ist keine Schwäche einer Generation, sondern ein Hinweis darauf, dass gute Ausbildung heute mehr Begleitung braucht als früher.
Was Ausbildungsbetriebe daraus machen sollten
- Geld konkret nennen. Vergütung pro Lehrjahr in jede Anzeige, dazu Prämien und Zuschüsse.
- Sicherheit belegen. Übernahmequote der letzten Jahre nennen statt „gute Übernahmechancen“.
- Perspektive zeigen. Wo steht ein Azubi fünf Jahre nach der Prüfung? Weiterbildung, Meister, Studium, Teamleitung.
- Anforderungen entschlacken. Nur fordern, was für den Beruf wirklich nötig ist.
- Begleitung einplanen. Feste Ansprechperson neben dem Ausbilder, regelmäßige Gespräche im ersten Jahr.
Warum viele Betriebe zusätzlich an der Kommunikation im Bewerbungsprozess scheitern, beschreibt Leonard in seinem Beitrag Generation Z und die Blackbox Ausbildung.
Häufige Fragen
- Was ist der Generation Z im Job am wichtigsten?
- Laut Shell Jugendstudie 2024 ist 91 % der Jugendlichen ein sicherer Arbeitsplatz wichtig, 83 % ein hohes Einkommen und 80 % gute Aufstiegsmöglichkeiten.
- Welche Benefits wollen Azubis?
- Am wichtigsten sind eine überdurchschnittliche Vergütung (88 %), eine Abschlussprämie (80 %), Zusatzqualifikationen (78 %) und eine Übernahmegarantie (77 %), so die Azubi-Recruiting Trends 2026.
- Ist die Generation Z faul?
- Die Daten zeigen eher das Gegenteil: Gen Z ist sicherheitsorientiert, will aufsteigen und bewirbt sich eher zu vorsichtig als zu selbstbewusst.
